14.-16. Februar 2008 — Bochum — Hauptbahnhof — Gleis 1
Samstag, 16. Februar 2008 um 18:00 Uhr

Noch immer ungleich, noch immer getrennt

Der Ausschluss von Roma-Kindern von der Schulbildung in Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Slowenien
gemeinsame Themenveranstaltung von VVN-BdA und amnesty international zu Sinti- und Romakinder

Referent: Christof Reinders, amnesty international, Koordinationsgruppe Menschenrechtsverletzungen an Jugendlichen und Kindern
Anschließend besteht die Gelegenheit zur Fragestellung / Diskussion mit den Vertretern beider Organisationen.
Stadtarchiv Bochum (Kinosaal), Wittener Str. 47

Hintergrundinformationen

Roma-Kinder sind hoffnungsvoll, aber chancenlos. Weil ihre Familien zu arm sind oder zu einer Minderheit gehören, erhalten viele Kinder keine Schulbildung. In zahlreichen Ländern werden sie sogar als Soldaten missbraucht. Fast 80% der Roma-Kinder verlassen die Grund- u. Hauptschule ohne Abschluss. .In der Slowakei haben Roma-Kinder massive Schwierigkeiten, wenn sie in die Grundschule kommen. Die verbreitete Praxis, Roma und Nicht-Roma-Schüler auf Grundschulebene zu trennen, führt zu einer weitgehenden Rassentrennung. In den getrennten Klassen erhalten Roma-Kinder unabhängig von ihren persönlichen Fähigkeiten eine unterdurchschnittliche Bildung. Die Hürden auf dem Weg zur Bildung sind Teil der Verweigerung sprachlicher und kultureller Rechte, die viele Roma in der Slowakei erfahren. Das Versäumnis der Regierung, Roma-Kindern eine ausreichende Bildung zu gewährleisten, schadet ihren künftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt und verstärkt den Teufelskreis der Ausgrenzung und Armut der Roma. Nach Schätzungen der Weltbank werden über 50% der Roma in Serbien in Sonderschulen eingeschult. Der versperrte Zugang zum Bildungssystem ist ein Hauptgrund für die fortdauernde Diskriminierung von Roma-Kindern im Südosten Europas. Schätzungen zufolge ist etwa die Hälfte der 3,7 Millionen Roma auf dem Balkan unzureichend ernährt. Besonders betroffen sind Kinder. Viele von ihnen erleiden aufgrund von Unterernährung dauernde Gesundheitsschäden. In Bosnien und Herzegowina erreicht die Arbeitslosenquote der Roma ca. 92%. Am Rande der Städte Südost-Europas breiten sich provisorische Wohngebiete aus, die im offiziellen Sprachgebrauch ” unhygienische Siedlungen ” genannt werden. In diesen Slums leben auf Müllkippen und Industriebrachen hunderttausende Roma ohne Strom- und Wasserversorgung. Die drastische soziale Lage ist aber nicht alleine verantwortlich für den Ausschluss von Roma-Kindern aus dem Bildungssystem. Selbst intelligente Roma-Kinder werden in die Sonderschule gesteckt, weil sie angeblich auf Fragen der Psychologen nicht richtig geantwortet hätten. Es handelt sich dabei nicht um Ausnahmefälle, sondern die Regel. Es ist vielmehr die Mischung aus Armut und Diskriminierung, welche die Roma-Kinder fast chancenlos macht. Das Versagen der Regierungen, das Recht auf Bildung sicherzustellen, vereitelt vielen Kindern die Aussicht auf einen Arbeitsplatz und hält den Kreislauf der Armut aufrecht. Extreme Armut verweigert den meisten Roma-Kindern den vollen Genuss der Bildung. Kostenlose Mahlzeiten, Bücher und Transporte werden nur selten angeboten. Häufig stellt schon die Entfernung der Schule von der Roma-Siedlung, oder das Fehlen warmer Kleidung im Winter ein unüberwindbares Hindernis dar. Zudem sind rassistische Einstellungen und Vorurteile weit verbreitet, selbst unter Lehrern, die mit Roma-Kindern arbeiten. Roma-Kinder werden von Lehrern of in die letzte Reihe gesetzt und fühlen die Ignorierung. Mitschüler machen sich oft über die dunkele Hautfarbe lustig. Für die größte Ungerechtigkeit wird der Einschulprozess angesehen.

Das Recht auf Bildung ist in internationalen Menschenrechtsnormen und -abkommen verbindlich verankert. Die Verpflichtungen der Regierungen bezüglich des Rechts auf Bildung lassen sich in folgenden vier Punkten fassen:

a) Verfügbarkeit
Grundschulbildung muss verpflichtend für alle und kostenlos sein. Funktionierende Bildungseinrichtungen und -programme müssen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

b) Zugänglichkeit
Bildung muss nach dem Gesetz und in der Praxis ohne Diskriminierung zugänglich sein, besonders auch den benachteiligten Gruppen.

c) Akzeptable Inhalte
Form und Inhalt der Bildung, inklusive Lehrpläne und Lehrmethoden müssen akzeptabel sein ( sie sollten z.B. sachgerecht, kulturell angemessen und von guter Qualität sein ).

d) Flexibilität
Bildung muss flexibel auf die Bedürfnisse der SchülerInnen eingehen, unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Einbindung. Es sollen Maßnahmen ergriffen werden, um die Fähigkeit der Kinder zu erhöhen, Zugang zur Bildung zu erhalten und davon zu profitieren.

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ( EU) müssen Menschenrechtsnormen einhalten und das einheimische Recht in Einklang mit dem EU-Recht bringen. EU-Kriterien schreiben vor, dass die Institutionen eines Mitgliedstaates Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und die Achtung und den Schutz der Minderheiten in vollem Umfang garantieren. Im Juni 2000 setzte die EU eine Richtlinie in Kraft, um das Prinzip gleicher Behandlung unabhängig von der rassischen oder ethnischen Herkunft umzusetzen. die Richtlinie verbietet direkte- wie indirekte Diskriminierung und bezieht sich ausdrücklich auch auf das Bildungswesen.

Die zahlreichen Forderungen und Empfehlungen von amnesty international gegenüber den verantwortlichen Landesregierungen und der Europäischen Union ( EU ) sind im erwähnten ai-Sachbericht und unseren vorgefertigten Appellbriefen artikuliert.